IST BRASILIEN OUT?
Nicht ein Brasilianer wechselte in diesem Sommer aus der Brasileiro, der ersten brasilianischen Liga, nach Deutschland. Nur drei Teams verpflichteten überhaupt einen Kicker vom Zuckerhut. Ist Brasilien out?
Dortmund holte Leonardo Bittencourt, den in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Sohn eines Brasilianers. Mit Dante (von Gladbach zu Bayern) und Naldo (von Bremen zu Wolfsburg) wechselten zwei bundesligaerfahrene Verteidiger innerhalb der Liga. Doch das war's. Der Strom an Brasilianern ist versiegt. Das hat gleich mehrere Gründe.
Die brasilianische Liga wird immer attraktiver. Große Stars wie Ganso oder Neymar bleiben, anstatt in jüngsten Jahren den Schritt nach Europa zu wagen. Sie dienen ebenso als Vorbild, wie Ronaldinho, Elano und Adriano, die bereits nach Südamerika zurückkehrten, obwohl sie in Europa noch hätten eine Rolle spielen können. Die große Verbundenheit zur Heimat, Kultur, Familie ist ein weiterer wichtiger Beweggrund in Brasilien zu bleiben.
Die kulturelle Kluft erschwert auch die Gewöhnung an den europäischen Spielbetrieb. Wie oft hörte man Brasilianer über Wetter und Trainingsintensität klagen? Wie oft verloren sie den Spaß, wenn sie die brasilianische Leichtigkeit vermissten? Hier deutet sich auch ein großer sportlicher Unterschied an. Während in Brasilien Fußball gespielt wird, im wahrsten Sinne des Wortes, wird er in der Bundesliga strikt durchgeplant. In Brasilien wird libertär-offensiv gedacht, in der Bundesliga kollektiv-defensiv. Das ist ein großer Unterschied.
Weiterhin ist der brasilianische Markt inzwischen hoffnungslos überteuert. Die heimische Liga profitierte vom Wirtschaftswachstum im Land, große Sponsoren können größeres Gehalt bezahlen. Die geforderten Ablösesummen stiegen enorm an, nicht zuletzt weil die Transferrechte für Spieler meist gleichzeitig beim Verein, Sponsoren und beim Spieler selbst liegen. Weil jeder einen möglichst großen Teil will, wird die Gesamtsumme nach oben gesetzt.
Das macht es für europäische Vereine schwer, auf dem brasilianischen Markt zu operieren, zumal die Ausfallquote in den letzten Jahren enorm war. Hoffenheims Wellington, Bremens Wesley und Carlos Alberto, Hamburgs Alex Silva, Bayerns Breno, Schalkes Zé Roberto, scheiterten allesamt am Schritt aus der Brasileiro in die Bundesliga. Mahnende und vor allem kostspielige Beispiele.
Den neuen, geforderten Spielertypus für die Bundesliga gibt es anderso: billige Kollektivkicker gibt es zum Beispiel in Asien. Mit Hiroki Sakai (Hannover), Hiroshi Kiyotake (Nürnberg), Takashi Inui (Frankfurt), Du-Ri Cha (Düsseldorf), Takashi Usami (Hoffenheim) reißt die Asiatenschwemme auch in diesem Sommer noch nicht ab. Es macht einfach zu viel Sinn.
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