KRITIK AN DER FIFA
Dass die FIFA irgendwie stinkt, war schon lange Allgemeingut. Doch der Shitstorm, der derzeit über das Hauptquartier in Zürich hinwegfegt, hat eine andere Qualität. Es sind nicht mehr nur einige Investigativ-Journalisten, wie Jens Weinreich, Thomas Kistner oder Andres Jennings, die gegen den Fußball-Weltverband und dessen Patron Blatter schießen. Es sind nun auch die großen Medienkonzerne, Sportfunktionäre und Politiker. Doch schießen sie nicht mit scharfer Munition.
Im Kern geht es um eine ganz alte Story, die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland. In einem Interview mit dem Schweizer SonntagsBlick, nahm er zu den Vorwürfen, dass Deutschland sich die Rechte erkauft habe ebenso Stellung, wie zu den Mauscheleien bei Abstimmung – ein FIFA-Mitglied verließ vor dem entscheidenden Votum den Raum, Deutschland gewann mit einer Stimme.
Auf die Frage ob er vermute, dass sich Deutschland die WM gekauft hätte, antwortete er: „Nein, ich vermute nichts. Ich stelle fest“, und löste einen Sturm der Entrüstung beim DFB aus. Blatter konnte nichts Schlimmes an seinen Aussagen finden. Sein Ziel sei es gewesen, zu zeigen, „dass man immer einen Vorwand finden kann, um die Rechtmäßigkeit eines Entscheides zu bezweifeln.“
Inhaltlich kratzt die Debatte um die WM 2006 nur an der Oberfläche. Die Deutschen haben über Firmen aus dem ehemaligen Reich des Medienmoguls Leo Kirch Fifa-Exekutivmitglieder und Personen im Umfeld der Fifa-Regierung mit Verträgen und Geldsummen bedient. Nichts davon ist allerdings restlos aufgeklärt, nichts davon kommt heute auf den Tisch.
Vielmehr betreiben die deutschen Funktionäre und Politiker eine Medienpolitik, die einer handfesten Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Da wird die Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes gefordert und Blatter zum Rücktritt ermuntert. Jens Weinreich findet das inkonsequent: „Der DFB hätte die Einberufung eines außerordentlichen Fifa-Kongresses und Blatters Rücktritt fordern müssen.“ Doch es rührt sich nichts. Blatter wird diese Krise überstehen. Denn wie immer fehlt der ernstgemeinte Reformimpuls von außen.
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